„Gerade für junge Generationen kann Olympia etwas Besonderes sein“
Dominik Krause (36), Oberbürgermeister von München, spricht über den Wahlerfolg in Baden-Baden, die Zusammenarbeit mit dem DOSB, die nächsten Schritte im Bewerbungsprozess und die Gründe, die ihn von Olympischen Spielen überzeugt haben.
DOSB: Herr Oberbürgermeister, wie war die erste Feier nach der Krönung Münchens zum Bewerber um Olympische und Paralympische Spiele?
Dominik Krause: In München wurde auf jeden Fall ordentlich gefeiert, im Alten Rathaus fand unser Public Viewing mit vielen Gästen aus der ganzen Stadtgesellschaft statt. Ich selber bin am späten Nachmittag noch zurückgefahren und hatte am Sonntagmorgen direkt wieder einen Termin auf der Wiesn – aber gefeiert wurde schon auch.
Mit ein wenig Abstand zum Trubel der Bewerbungsphase: Was hat aus Ihrer Sicht den Ausschlag dafür gegeben, dass sich das enge Evaluierungsergebnis auf den Punktzetteln der Delegierten nicht niedergeschlagen und München doch sehr deutlich gewonnen hat?
Wir haben beim Evaluierungsergebnis schon gesehen, dass die Verbände uns durch die Bank auf Platz eins gesetzt hatten. Insofern waren wir vorsichtig optimistisch, dass sich das auch bei der Abstimmung zeigen wird – was ja dann auch der Fall war. Und eigentlich war es schön, dass KölnRheinRuhr in der Evaluierung so nah an uns war. Das zeigt, dass es zwei hervorragende Konzepte für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland gab.
Die European Championships 2022 werden oftmals als der Gamechanger angesehen, der es möglich gemacht hat, im Referendum eine Zweidrittelmehrheit für die Bewerbung zu erreichen. Welche Rolle ordnen Sie diesem Großereignis vor vier Jahren zu?
Wir werden bis heute auf die EC 2022 angesprochen, auf diese tolle Stimmung in der Stadt. Nach Corona war es das erste große Event in München. Viele Sportlerinnen und Sportler hatten damals so viel Publikum wie noch nie. Und natürlich hat auch die hervorragende Organisation durchaus Eindruck gemacht und gezeigt: München kann solche Sportgroßereignisse hervorragend umsetzen. Und man muss auch sagen: Ein bisschen war das Konzept damals ja schon ein Vorgriff auf Paris 2024 – auch bei den EC hatten wir die Sportarten auf ikonischen Plätzen in der Stadt stattfinden lassen.
Wie haben Sie den Bewerbungsprozess und die Zusammenarbeit mit dem DOSB bis dato erlebt, was hat Ihnen gefallen, was wäre zu verbessern?
Die Zusammenarbeit war stets partnerschaftlich und wir wussten immer, was seitens des DOSB gefordert ist. Jetzt wollen wir gemeinsam mit Freistaat, Bund und DOSB die nächsten Schritte gehen.
Wenn Sie eine Person aus dem Münchner Bewerbungsteam mit einer Goldmedaille auszeichnen könnten, die sich im bisherigen Prozess besonders hervorgetan hat, wer wäre diese Person und warum?
Das war und ist eine Teamleistung! Aber ein gutes Team hat immer auch einen tollen Kapitän, und das ist bei uns Michael Asbeck, der die Bewerbung von Anfang an inhaltlich hervorragend durchgeführt hat. Aber mein Dank gilt wirklich dem ganzen Team der Bewerbung, das war sehr viel Arbeit.
Sie werden sicherlich schon oft gefragt worden sein und noch viel öfter gefragt werden, warum das Münchner Konzept siegfähig ist. Was sind die drei wichtigsten Kernpunkte Ihrer Antwort?
Wir haben unser olympisches Erbe seit 1972 bewahrt und weiterentwickelt, der Olympiapark ist ein lebendiger Teil dieser Stadt. Wir setzen im neuen Konzept klar auf One Village, haben extrem kurze Wege. Und natürlich besitzen München und Bayern hohe internationale Strahlkraft. Das sieht man auch daran, dass wir den Zuschlag für die Leichtathletik-WM 2031 bekommen haben. Im Moment findet in München mit der Wiesn das größte Volksfest der Welt mit sechs Millionen Besucherinnen und Besuchern statt. Die Organisation von großen Veranstaltungen liegt uns einfach.
Worin sehen Sie in den kommenden Monaten und Jahren den größten Optimierungsbedarf, um nun auch dem IOC die Münchner Bewerbung schmackhaft zu machen?
Darum wird es jetzt gehen, dass wir gemeinsam mit dem DOSB zusammen einen Fahrplan entwickeln und genau diese Punkte definieren.
Wenn es die Möglichkeit gibt, im Konzept noch ostdeutsche Bundesländer zu integrieren, etwa beim Fußball, dann würde ich das sehr begrüßen.
– Dominik Krause
Es gab deutlich vernehmbare Kritik daran, dass München ein Konzept ohne Einbindung der ostdeutschen Bundesländer hat. Wie denken Sie über diese Kritik und sehen Sie eine Möglichkeit oder eine Notwendigkeit, daran noch etwas zu verändern?
Ich habe die Kritik nicht so laut wahrgenommen. Ich verstehe aber, dass es beim Segelstandort Rostock und bei den Ländern, die im Konzept Berlin+ auch vorgesehen waren, jetzt eine Enttäuschung gibt, nicht direkt bei Olympia dabei zu sein. Kiel ist für uns durch die olympische Verbindung von 1972 ein hervorragender Partner und auch sportfachlich absolut geeignet. Das sieht auch der Segelverband so. Wenn es die Möglichkeit gibt, im Konzept noch ostdeutsche Bundesländer zu integrieren, etwa beim Fußball, dann würde ich das sehr begrüßen.
Sie haben auf der Pressekonferenz in Baden-Baden sehr eindrücklich dafür geworben, infrastrukturelle Projekte sofort anzugehen und nicht erst auf den Zuschlag zu warten. Welche sind das und was erhoffen Sie sich in dieser Richtung an Unterstützung durch die Bundesregierung?
Auch das wird jetzt unser Auftrag sein, in der Münchner Politik und Stadtverwaltung genau zu prüfen, wo wir was jetzt angehen können und müssen. Dazu laufen bereits Gespräche. Im Oktober wollen wir hierzu erste Neuigkeiten mitteilen können.
Auf den vielen Bannern und Fahnen, mit denen in München geworben und gefeiert wurde, stand naturgemäß noch kein Datum, sondern nur 20xx. Wenn es nach Ihnen ginge: Welche beiden Zahlen sollten das doppelte x ersetzen und warum?
Ich finde alle Zahlen gut, Hauptsache die Spiele kommen wieder nach München!
Ministerpräsident Markus Söder und Sie decken ein breites Spektrum an Menschen ab, die Sie mit ihrer Politik und Ihrem Auftreten ansprechen. Wie gelingt es Ihnen, sich auf der einen Seite von der CSU abzugrenzen und auf der anderen Seite die im Sport notwendige Gemeinschaft zu leben, die Sie während der Bewerbungsphase glaubwürdig betont haben?
größte Sportevent der Welt nach München zu holen. Und der erste Schritt auf diesem Weg ist uns durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit gelungen. Daran wollen wir anknüpfen im weiteren internationalen Prozess.
Als vergleichsweise jungem Politiker nimmt man Ihnen ab, die Bedürfnisse der jüngeren Generationen im Blick zu haben. Welche Verantwortung entsteht Ihnen daraus, um die verständlichen Zukunftssorgen junger Menschen mit Blick auf die Finanzierung Olympischer Spiele zu berücksichtigen?
Wir werden Kinder und Jugendliche im weiteren Prozess noch stärker einbinden als bisher. Das war ein Wunsch, den ich sehr unterstütze. Ich bin überzeugt: Gerade für junge Generationen kann Olympia etwas Besonderes sein. Von den Spielen 1972 schwärmen Münchnerinnen und Münchner, die damals dabei sein durften, noch heute.
Ihre Partei „Die Grünen“ weist durchaus eine Ambivalenz beim Thema Olympische und Paralympische Spiele auf. Im Bund ist man eher dafür, in Berlin deutlich dagegen. Was hat Sie persönlich von der Idee, sich mit München zu bewerben, überzeugt?
Die European Championships 2022 haben in München große Euphorie ausgelöst. Das war ein Sportfest, das mich auch sehr begeistert hat. Die Olympischen Spiele 2024 in Paris haben dann gezeigt, dass Olympia nachhaltig durchgeführt werden kann und einen großen Mehrwert für die Stadtentwicklung bringt. Das war für mich der Gamechanger – und ich glaube für viele andere auch.
Wenn Sie es sich aussuchen dürften: In welcher Rolle wären Sie 2036, 2040 oder 2044 gern bei Olympischen und Paralympischen Heimspielen dabei und welche Medaillenentscheidung wollen Sie auf jeden Fall live vor Ort erleben?
Jetzt geht es erst mal darum, das IOC zu überzeugen. Über alles andere mache ich mir noch keine Gedanken.







